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Artikel Bewegung

Nada Yoga: Verbindung zum immerwährenden Klang der Seele und der gesamten Schöpfung

Dem inneren, allem immanenten Klang, dem Nada, zu lauschen, so heißt es in der yogischen Philosophie, sei der direkteste Weg zu Sat-Chid-Ananda, der höchsten Wahrheit und Glückseligkeit. Nach der Lehre des Nada Yoga begann die Existenz des Universums mit dem Erklingen des Urtons „Aum“. Nada Yoga ist eine der effektivste Yogatechniken bei der Suche nach der inneren Mitte, der Wesensessenz oder der Seele. Es ist ein Weg, sich mit den unhörbaren, inneren Klangschwingungen zu verbinden und dem allem zugrunde liegenden immerwährenden Klangstrom – und zwar durch das Singen von reinem Klang. 

Nada ist Sanskrit und bedeutet Schwingung oder Klang. Yoga heißt ‚verbinden‘ oder ‚EINS-werden‘. Nada Yoga ist also der Prozess des EINS-werdens mit dem immerwährenden Klang der Schöpfung.

„Am Anfang der Schöpfung war der Klang“ – so heißt es in der Samveda, der ältesten und für das Nada Yoga grundlegenden Schrift über Klang, Gesang und Musik (entstanden circa 1500 v. Chr.). Ein Strom von Schwingungen durchzieht alles: vom kleinsten Atom bis in die weiteste Galaxie. Ewiges Pulsieren durchströmt das rhythmische Geschehen in den natürlichen Kreisläufen und verbindet alles Lebendige in einem unendlichen Netzwerk. Jede Kreatur nimmt teil an diesem Miteinander, Füreinander und Voneinander – mit jedem Atemzug und jedem Pulsschlag. Dieser Strom von zumeist unhörbaren Schwingungen ist Nada. Nur ein Bruchteil dieser Schwingungen ist hörbar, gleichwohl beeinflussen uns unbewusst auch die unhörbaren Schwingungen.

Eins werden durch Schwingung und Resonanz

Inhaltlich wiederholt der Samveda, was der ältere Rigveda (ältester Teil der Veden, der wichtigsten Schriften des Hinduismus) bereits sagte. Neu war, dass die Verse nicht gesprochen, sondern gesungen wurden. Seither wurden die Praktiken des Nada Yoga ausschließlich mündlich direkt vom Lehrer zum Schüler weitergegeben, zum Beispiel in der Tradition des Dhrupad, dem ältesten Gesang Nord-Indiens. Dhrupad ist die reinste Essenz des Nada Yoga in Form von Musik.

Das innere Wesen jeder Musik ist Nada: Schwingung und Resonanz. Im Nada Yoga verfeinern wir unsere körperliche Empfindsamkeit, um Nada wahrnehmen zu können, was prinzipiell mit jeder Musik möglich ist. Wichtig ist, wie es ausgeführt und worauf geachtet wird. Padma Sri Ramakant Gundecha, einer der beiden international bekannten Gundecha Brothers, die zu den führenden Dhrupad-Sängern Indiens zählen, nennt drei Bedingungen für das Gelingen von Nada Yoga:

  1. Die Praxis wird begleitet durch einen Grundton, der, wie Nada selbst, kontinuierlich erklingt. Traditionell wird er gespielt von der Tampura, einem sehr obertonreichen indischen Saiteninstrument.
  2. Da Nada Yoga auf den Naturgesetzen von Klang beruht, eignen sich nur Instrumente, die nach der natürlichen Obertonreihe gestimmt und nicht „temperiert“ sind (also bereinigt wurden, so dass alle Tonschritte mathematisch exakt gleich sind, was es in der Natur so nicht gibt).
  3. Die zum Einsatz kommenden Instrumente müssen das kontinuierliche Gleiten von einem Ton zum nächsten zulassen. Tasteninstrumente sind beispielsweise ungeeignet.

Nada Yoga im Westen

Erfahrungsgemäß ist es für westlich geprägte Menschen zuallererst wichtig, den Körper als Instrument zu erfahren und tatsächlich zu begreifen, dass alles in uns schwingt und voller (unhörbarer) Klänge ist. Dafür wird gesungen, gesummt und getönt, man lauscht auf Geräusche in der Natur oder auf Klänge erhabener Musik, es gibt besondere Körper- und Atemübungen, Klang-Meditationen und natürlich das Singen von Mantren und Kirtana. Ausgehend vom Lauschen auf äußere Klänge werden immer feinere Klangschwingungen wahrgenommen.

Später lernt man eine besondere Stimmpraxis, Aussprache, Intonation und schließlich Melodieführung und Rhythmen, um mit der eigenen Stimme alle Bereiche des Körpers, des Geistes und des Energiefeldes – bis in die subtilsten Bewusstseinsschichten hinein – im wahrsten Sinne des Wortes „in Einklang zu bringen“, zu „harmonisieren“ und sich so ganzheitlich zu heilen. Schließlich werden in der höchsten Form indische „Ragas“ und „Talas“ (melodische und rhythmische Struktur der klassischen indischen Musik) studiert, die besonders feine Schwingungsreiche abbilden und gezielt verschiedene Gehirnregionen ansprechen.

Um Nada Yoga zu praktizieren, muss man weder singen können noch braucht man Noten

Jede/r, der sprechen kann, kann in diesem Sinne auch singen. Teilnehmer/innen von Nada Yoga-Übungen berichten immer wieder über folgende Wirkungen und Effekte: eine bewusste Wahrnehmung verschiedener Körperzonen, körperliche und emotionale Entspannung, körperliche und mentale Zentrierung und Fokussierung. Die Gedanken beruhigen sich, der Kopf wird angenehm leer, es stellt sich eine entspannte Konzentration ein. Der Atem wird ruhig, regelmäßig und stetig, die Stimme wird gekräftigt. Viele fühlen sich geerdet und mehr in sich selbst zu Hause. Das Selbstbewusstsein wächst, ebenso wie Energie und Gefühle von Freude, Glück und Einheit mit der Gruppe und der Schöpfung. Viele berichten außerdem auch von positiven Auswirkungen bei Kopf- und Rückenschmerzen, verstopften Nebenhöhlen, Stresssymptomen aller Art, Depressionen und Tinnitus.

Zwei Nada-Yoga-Übungen

Vorbereitung: Setze dich aufrecht und bequem hin. Schließe die Augen und beginne immer mit einigen entspannten Atemzügen.

Übung 1
Bhramari Pranayama – die Bienenatmung
Lasse beim Ausatmen einen Summton erklingen. Achte darauf, wo genau du die Klangschwingungen spüren kannst. Möchtest du die Wirkung verstärken, verschließe zusätzlich mit Daumen und vier Fingern deine Augen und Ohren.

Übung 2
Töne das Mantra AUM.
Lasse bewusst Lippen, Zunge, Kiefer, das ganze Gesicht entspannt und töne A – U – M. Achte darauf, wie sich beim langsamen Verschließen des Mundes vom offenen A über das U zum M der Klang verändert und wo genau du Vibrationen spürst.

Wirkung:  Beide Übungen beruhigen und fokussieren einen übermäßig aktiven Geist und können Sorgen und Ängste beschwichtigen. Das Tönen des M kann bei Kopfschmerzen und Erkältungen helfen – das A öffnet und stärkt alle Energiekanäle.

Die Autorin, Anne-Careen Engel, lebt in Hamburg. Sie lernte 1970 Yoga und seit 1983 den klassischen indischen Gesang. Sie hat die traditionelle Lehre des Nada Yoga so transponiert, dass westlich geprägte Schüler/innen einen leichten Zugang finden zur heilenden Kraft ihrer eigenen Stimme. CDs mit verschiedenen Grundtönen für die Nada- Yoga-Praxis sind bei ihr erhältlich.

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