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Artikel Wissen & Weisheit

Die Magie der Mantras – der schnellste Weg zum Herz

Wenn ich Mantras singe, geht es mir einfach gut. Ich habe sehr schnell die Wirkung der Mantras am eigenen Leib erfahren, deshalb bin ich dabei geblieben. Keine andere Musik hat mich so sehr berührt wie der Klang der Mantras, denn sie funktionieren einfach. Nicht umsonst nennt man diese Praxis auch den schnellsten Weg zum Herz. Dass Musik und Rhythmus Einfluß auf unsere Gefühle nehmen, bestreitet wohl niemand. Wer hat nicht schon mal bei einem Liebeslied geweint oder wie verrückt auf Rockmusik getanzt. Doch Mantras gehen noch einen Schritt weiter, einen Schritt tiefer.

Hier beginnt die Magie der Mantras

Mantras sind wiederholte Wörter oder Sätze, die sich tief in unser Unbewußtes eingraben. Wir alle kennen negative Mantras oder Glaubenssätze, die wir ständig wiederholen, wie „Ich kann das nicht“ oder „Das war schon immer so bei mir“ etc. Niemand zweifelt daran, dass diese Wiederholugen sich negativ auf unsere Gefühlswelt auswirken. Schwerer tun wir uns damit, an die positive Wirkung der Mantras glauben. Wenn wir positive Wörter oder Sätze stetig wiederholen, dann haben auch sie Einfluß auf unsere Gefühle. Gerade in den letzten Jahren sind Praktiken wie „Positives Denken“, „Umprogrammierungen von Glaubendssätzen“ oder „Affirmationen“ immer beliebter geworden, das wird wohl seinen Grund haben. Die Menschen suchen etwas, an das sie glauben können – eine Formel, die funktioniert. Aus dem Yoga kennen wir diese Arbeit unter dem Begriff „Sankalpa“. Das sind positive Formulierungen, die wir an 42 aufeinanderfolgenden Tagen, jeweiles morgens und abends, 3x wiederholen. Da dem Gedanken das Wort und dem Wort die Aktion folgt, geht man davon aus, dass das gesprochene Wort zur Wahrheit/Realität wird. Genau das können Mantras für uns tun. Wenn wir Mantras also als „wiederholtes Wort“ begreifen, dann sind all die oben genannten Techniken zum positiven Denken Mantras.

Mantras aus der ganzen Welt

Meine erste Berührung mit Mantras hatte ich in einem Singkreis in Hamburg. Zu dieser Zeit beschäftigte ich mich noch mit Yoga. Da ich aber immer schon gern gesungen habe, war ich offen, diese Art des Musizierens auszuprobieren. Die Gruppenleiterin spielte Gitarre und sang dazu, jeder stieg in das Lied ein wann er wollte. Nach und nach wurden wir immer gefestigter in unserern Stimmen und Ausdruck. Dann kam meistens eine zweite Melodie dazu und jeder konnte entscheiden, bei der ersten Melodie zu bleiben oder in der Zweiten weiter zu singen. Damit wurde die Musik immer voller und die einfachen Wiederholungen erlaubten uns einfach frei zu singen.

Mantra-Singen macht frei

Ich erinnere mich genau wie mir die Gruppenleiterin erzählte, dass sie immer gerne gesungen hatte, aber erst die Mantras ihr den Zugang zum freien Singen gaben. Während unsere klassische Musik genaue Anforderungen an die Interpreten stellt, so erlaubt Mantra-Singen jedermann frei zu tönen. Hier geht es nicht darum, richtig oder falsch zu singen. Es ist egal, ob der Rhythmus perfekt ist. Hier darf auch mal eine Stimme herausragen oder man darf eine neue Stimme erfinden. Man verweilt eine ganze Zeit mit dem Mantra, manchmal wird es leiser, manchmal lauter, dann schneller und am Ende wieder langsamer. Es gibt hier keine feste Vorgaben wie lange das Mantra gesungen wird, das kann die anleitende Person ganz nach eigenem Ermessen entscheiden. Anschließend gibt es einen Moment der Stille.

Mantra-Praxis ist mehr als Musik mit Gesang

Ich bin mit einer klassischen Musikbildung aufgewachsen. Als Achtjährige begann ich mit Klavierunterricht und mit vierzehn kamen dann vier Jahre Gesangsunterricht dazu. Auf dem Musikgymnasium in Köln war Musik ein Hauptfach im Abitur und unsere Nachmittage erfüllt mit Chor, Orchester, Rhyhthmik, Musiktheater und Instrument Üben. Wie so viele habe ich den klassischen Musikunterricht nach dem Abitur erstmal an den Nagel gehängt. Ich bin allerdings immer beim Singen geblieben, so habe ich während meinen kompletten Studien- und Arbeits-Zeiten immer in klassischen Chören gesungen. Es hat mir gut getan, im großen Klang des Chores zu versinken und mich in festen Rahmen zu bewegen. Ich singe auch heute noch ab und an in Chören, vor allem a capella, da es eine sehr gute Gehörbildung ist. Dennoch war Mantra-Singen für mich die totale Befreiung. Da stimme ich meiner Gesangs-Gruppen-Leiterin, von der ich bereits berichtete, zu.

Singen, Klatschen und Tanzen

Es ist eine Sache, Noten zu lesen und vom Blatt zu singen, und es ist eine andere, die Musik und den Rhythmus zu spüren. Im Singkreis haben wir vor allem afrikanische Mantras gesungen. Die Worte sind komplett unbekannt und auch die Rhythmen brauchen ihre Zeit, ins Blut zu kommen. So konzentrieren wir uns auf das, was ist, fühlen den Rhythmus im Blut und versuchen, die Worte singend wiederzugeben. Nach einiger Zeit fällt es uns leichter und je nachdem wie lange man dieselben Mantras wiederholt, kann man in einen trance-ähnlichen Zustand geraten. Das ist der Moment, wenn wir aufhören zu denken und das Gehirn sich beruhigen kann. Dann kommen wir in Schwingungen, alles vibriert. Im Körper vierbriert alles durch das Singen und wenn es sich nach außen ausdrücken möchte auch im Klatschen und Tanzen. Das ist der natürliche Ausdruck des Menschen. Bevor es Musikinstrumente gab, haben die Menschen mit Rhythmus gearbeitet, getanzt und mit der Stimme Töne erzeugt. Im gemeinsamen Musizieren akkumiliert sich die Energie und diese wirkt sich wiederum auf unseren Körper, die Gefühle bis hin zu unseren Zellen aus. Das ist der Grund, warum Mantras funktionieren. Mantras haben die Kraft auf mikrobiologischer Ebene in unser System einzugreifen, das bestätigt heute sogar die Wissenschaft (s. Bruce Werber: Mantras).

Yoga Mantras

Der Singkreis in Hamburg war zu seiner Zeit noch nicht so populär, so verlor ich den Kontakt dazu. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis ich wieder in den Genuß des gemeinsames Mantra-Singens kommen sollte. Das war dann 2011 in meiner ersten Yoga-Lehrer-Ausbildung bei Sivananda in Indien. Jeden Morgen und jeden Abend werden in den Sivananda-Ashrams in aller Welt mindestens 20 Minuten Mantras gesungen. Das ist ein fester Bestandteil des Satsangs, der Zusammenkunft aller in der Gemeinschft. Für mich immer das absolute Highlight des Tages. Ich habe mich nach dem Mantra-Singen einfach nur gut gefühlt.

Mantras wirken, so oder so

Im Yoga singen wir Mantras in Sanskrit, das ist eine eine Tonsprache. In meiner zweiten Yoga-Lehrer-Ausbildung 2016 hatte ich die Chance, ein wenig Sanskrit zu lernen und dadurch etwas mehr zu verstehen, wie diese Sprache funktioniert. Kurz zusammengefasst sind die Buchstaben im Sanskrit eigentlich Laute, die durch die richtige Aussprache bestimmte Schwingungen im Körper erzeugen. Je nach Energie der Mantras wirken sie auf verschiedene Bereiche im Gehirn und auf die Gefühle. Einige Menschen spüren intuitiv, wo die Mantras vibrieren und welche Energie sie zu schwingen bringen. Für andere ist es wichtig, die Worte und Bedeutung der Mantras zu kennen, um darüber einen kognitiven Zugang zur Wirkung der Mantras zu bekommen. Sie wirken, so oder so. Manchmal braucht es mehr Wiederholungen, manchmal weniger.

Mantra-Musik

Den ersten Zugang zu Sanskrit-Mantras haben viele während einer Yoga-Klasse. Der Lehrer legt eine CD auf und schafft damit eine angenehme Atmosphähre während des Unterrichts. Wenn man „Mantras“ bei Youtube eingibt, stößt man auf die bekannte Künstler, wie Deva Premal & Miten, Krishna Das und Sanatam Kaur. Sie geben Konzerte weltweit in großen Hallen und haben etliche CDs auf dem Markt. Viele Menschen hören ihre Mantras in Konzerten, zu Hause oder im Auto und singen einfach mit. Noch intensiver wird das Mantra-Erleben aber in einer Gruppe, wenn die eigene Stimme Bestandteil des Mantras wird.

Mantras in der Gruppe erleben

Die beste Möglichkeit Mantras zu erfahren, ist das gemeinsame Tönen in der Gruppe. Im Yoga nennt man das Kirtan, dabei werden die Mantras im Vor-und Nachsingen wiederholt. Sprich: der Kirtaniya singt eine Zeile und die Gruppe singt sie nach. Die meisten Kirtaniyas spielen Harmonium und/oder Gitarre, um die Mantras mit Akkorden oder der Mantra-Melodie zu begleiten. Meist gesellt sich noch ein Percussinist dazu, Tabla und Mrdnga sind die typisch indischen Trommeln, aber auch jede andere Art von Percussion unterstützt die Mantras. In größeren Kirtan-Bands zählen auch weitere Instrumente wie Flöte, Geige oder Bass dazu. Die Instrumente unterstützen die Musik und den Rhythmus und der ein oder andere Kirtan wird schon mal etwas ekstatischer und die Menschen fangen an zu tanzen. Und da sind wir wieder bei dem ureigenen Ausdruck des Menschen, den angestauten Energien im Körper Ausdruck zu verleihen. Ich kann dieses Erlebnis nur jedem empfehlen.

Die Mantra-Bewegung in Deutschland

Mit dem Yoga-Boom der letzten Jahre sind auch Mantras immer beliebter geworden. Immer mehr Musiker bieten Mantra-Konzerte, Begleitung von Yoga-Klassen oder Kirtan an. Kein Yoga-Festival ohne Mantra-Musik mehr. Mit Freude stelle ich fest, dass immer mehr Yoga-Studios ein Harmonium besitzen und es uns Kirtaniyas ermöglichen, auch ohne schweres Gepäck in den Studios zu spielen. Kirtan findet meist in Yoga-Studios statt. Da viele Menschen mit dem Begriff Kirtan oder auch Mantra-Singen noch nicht viel anfangen können, habe ich mich entschlossen, Mantra-Workshops anzubieten. Meist finden diese vor einem Kirtan statt, um das Erlernte auch gleich in die Tat umzusetzen.

Mantra-Workshops

In meine Workshops kommen Menschen mit Interesse an Mantras, Gesang am Harmoniumspiel. Ähnlich wie bei einer Yoga-Klasse wärmen wir uns erstmal auf und bereiten die Stimme auf den Gesang vor. Dann lernen wir ein paar Mantras genauer kennen und gehen direkt in das Erleben. Im direkten Feedback können wir in der Gruppe an Stimmöffnung, Gefühlen und Musik arbeiten. Fragen und Unsicherheiten werden geklärt und nach dem Workshop ist man fit und frei, um an einem Mantra-Singen teilzunehmen. In einem Mantra-Intensiv-Workshop gehen wir tiefer in die Materie und beschäftigen uns mehr mit der Wirkung und der Praxis der Mantras.

Kirtan und Mantra-Singen

An vielen Orten gibt es immer mehr regelmäßige Kirtans, vor allem Freitagabends in Yoga-Studios. Das Mantra-Singen in der Gruppe ist ein hervorragender Abschluss der Woche und ein guter Start in das Wochenende. Meine Teilnehmer erzählen mir, dass sie den Freitags-Kirtan immer vermissen, wenn ich mal nicht in der Stadt bin. Einige haben sich nach einiger Zeit schon eigene Harmoniums gekauft und singen jetzt sogar alleine zu Hause. Manchmal reichen schon ein paar wenige Stunden privater Mantra-Unterricht, um seine Lieblingsmantras zu Hause zu spielen und zu singen. Dass die Nachfrage nach Mantra-Musik immer größer wird, ist für mich der Beweis, dass sie wirken, warum sollte etwas so erfolgreich werden, wenn es sich nicht einfach nur gut anfühlt.

Alice Radha ist am 30. November im Anjali-Yoga in Hamburg und gibt einen Mantra-Intensiv Workshop und ein Konzert mit Kirtans, zu dem alle eingeladen sind. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich.

Die Autorin, Alice Radha, ist Kirtaniya und Yoga-Lehrerin der Sivananda Tradition in Indien. Sie ist Sängerin und spielt Harmonium, seit neuestem auch die Ukulele. Alice Radha gibt regelmäßig Kirtan, Mantra-Workshops und bietet auch Privatunterricht. Auf ihrem Youtube-Kanal finden sich bereits über 50 Mantras mit Text und Akkorden zum Nachspielen. Alice Radha pendelt zwischen ihrer Wahlheimat Málaga in Spanien sowie Hamburg und Köln.
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