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Artikel Lebensfragen

Über die Angst, Geld frei fließen zu lassen

In den 1920er Jahren gab es in Österreich einen Mann namens Silvio Gesell, der behauptete, Geld müsse fließen (nicht gehortet, gespart oder in Spekulationsgeschäften gebunden werden), damit alle zu Wohlstand kommen können.

Der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Wörgl war so fasziniert von Silvio Gesells Idee, dass er, parallel zur offiziellen Währung, für sein Städtchen eine eigene Währung einführte, ein Tauschmittel, das nur innerhalb von Wörgl gültig war und mit dem alle Einwohner ihre Geschäfte in Wörgl abwickeln konnten.

Um sicher zu stellen, dass das Geld im Fluss blieb, verlor es nach einiger Zeit einen sehr geringen Prozentsatz seines Wertes – nicht so viel, dass es schmerzte, aber so viel, dass niemand Interesse daran haben konnte, Geld länger als unbedingt nötig liegen zu lassen oder zu sparen. Das Experiment erwies sich als äußerst erfolgreich, alle profitierten davon und die Gemeinde florierte außerordentlich. Bis die Weltbank dafür sorgte, dass dieses Experiment unterbunden wurde. Doch Wörgl hatte Silvio Gesells Hypothese verifiziert!

Geld will fließen – Geld ist Energiespeicher. Alle Energie ist letztendlich Lebensenergie, Liebe. Und ebenso wie Liebe und Energie will Geld frei fließen.

Das tut es bei uns aber nicht. Es wird gehortet, aus Angst, aus Spekulationsgier, aus Sicherheitsgründen. Aber solange Geld/Energie/Liebe gehortet und am freien Fließen und Austausch gehindert wird, gibt es Schmerz und Leid in der Welt. Fließt Liebe/Energie/Geld frei, erkennen wir unsere Welt nicht mehr wieder – denn wir hätten das Paradies auf Erden!

In den letzten Jahren gibt es erneut lokale Projekte – wie damals in Wörgl – mit alternativem Geld, das im Gegensatz zum „offiziellen“ Geld lediglich Tauschmittel und nicht Spekulationsobjekt ist. Dieses Geld wird bereits regional eingesetzt und hat eigene Namen. Es gibt den Chiemgauer, den Sterntaler, eine andere Währung heißt Kann wat und in Hamburg sind ebenfalls Überlegungen im Gange, eine solche Währung parallel zum Euro einzuführen.

Das Geld, das wir alle kennen, ist ja nicht mehr nur einfach Tauschmittel, sondern viel häufiger Zinsbringer oder Spekulationsobjekt – in der Hoffnung auf große Gewinne. Also Zinsbringer für kleine und große Anleger, und Material für Spekulationen, die, wenn sie gelingen, meist Reiche noch reicher machen. Wir können mit Geld dementsprechend nicht nur Lebensmittel und Lebensnotwendiges oder – erwünschtes kaufen, sondern auch mehr Geld verdienen. Letzteres ist das Problem.

Denn nur dem Umstand, dass Geld nicht nur durch Arbeitsleistung in Form von Einsatz der eigenen körperlichen, geistigen bzw. emotionalen Energie erbracht wird, sondern auch durch geschickten Einsatz bereits vorhandenes Geld vermehrt, klafft in regelmäßigen Abständen die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter und letzlich auseinander: Werden die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer – bis zur Inflation. Danach geht das alles wieder von vorn los.

Wäre unser Geld ausschließlich Tauschmittel, d.h. ausschließlich durch Einsatz unserer eigenen Kräfte zu verdienen und nur für unseren täglichen Bedarf auszugeben, gäbe es zwar immer noch Menschen, die mehr und andere die weniger hätten, aber die Schere würde nur ein wenig auseinanderklaffen und dem inflationären Geschehen, wie es unsere Wirtschaft kennt, wären vollkommen natürliche Grenzen gesetzt, schon weil die Kräfte eines jeden Menschen begrenzt sind.

Wenn wir unsere Welt ansehen und das Elend, in dem 80 Prozent der Weltbevölkerung im Vergleich zu den 20 Prozent leben, die ausreichend haben, leuchtet es ein, dass es wünschenswert wäre, wenn sich die Schere zwischen Arm und Reich schließen ließe. So wie es jetzt ist, ist unsere Welt ein Jammertal von Ausbeutung und Prostitution (auf allen Ebenen) auf der einen, und unzufriedenem Luxus und Extravaganz auf der anderen Seite.

Die Reichen sind zu übersättigt, um glücklich zu sein, die Armen zu hungrig.

Abgesehen von den politischen Gründen der Reichen und Machtvollen, Geld nicht fließen zu lassen, gibt es aber auch in jedem von uns eine Bremse. Wir alle haben Angst, das Geld frei fließen zu lassen. Zu tief ist die Überzeugung in unsere Zellen eingegraben, Mangel lauere an jeder Ecke und wir müssten vorsorgen. Die, die etwas zum Sparen und Horten übrig haben, tun es meist auch. Wir sind so daran gewöhnt, dass Geld etwas ist, dass man sparen muss, von dem man etwas auf die Hohe Kante legen muss, für unvorhergesehene Notfälle und für’s Alter – auch wenn Kranken- und Rentenversicherung dies ein wenig verwischt haben. Das Spar-Prinzip gilt immer noch.

Ich selber habe diesen Gedanken, Geld anders zu benutzen, immer gut gefunden, aber ohne zu ahnen, wie tief auch in mir die Bremse verankert ist – jene Angstbremse, die Geld festhalten will. Bis ich kürzlich eine spannende Einsicht in meine eigene Einstellung bezüglich Geld hatte, die mir zeigte, dass ich innerlich noch gar nicht bereit war, den freien Fluss des Geldes zu akzeptieren!

Als Freiberufler lebe ich seit über 40 Jahren mit unregelmäßigen und nach herkömmlichen Maßstäben unsicheren Einnahmen. Und meist ohne viel Geld auf irgendeiner hohen Kante. Trotzdem hatte ich in all den Jahren immer so viel, wie ich brauchte. Im Augenblick ist eine Zeit, in der ich sehr viele Ausgaben habe, die ich vorher nicht hatte. Eigentlich soviel, dass sich mein Geldfluss fast verdoppeln müsste. Und siehe da: er tut es. Es kommt so viel mehr Geld herein als vorher, dass ich mich freue – und dass auch meine Gier wächst: Ja, all das schöne Geld, endlich kommt mal mehr rein! Ich will es sparen!!!! Aber ach, all das schöne Geld, ich muss es ja wieder ausgeben.

Bei dem Gedanken, all das schöne Geld, dass jetzt endlich reinkommt, gleich wieder ausgeben zu müssen, bekomme ich Angst, spüre Trauer, Verzweiflung…

Bis mir klar wird: Wie schön, dass ich alles Geld habe, das ich brauche. Wie viel immer ich auch brauche, ich habe alles Geld, das ich brauche. Brauchen heißt: genug, um alle Herzenswünsche und alles Lebensnotwendige zu kaufen und zu erfüllen.

So war es immer. So ist es jetzt. „Wie schön, dass alles Geld hereinkommt, das ich brauche!“

Wie schön, wenn ich es genau so sehen kann! Ein Stein, eine Riesenlast fällt mir vom Herzen, Dankbarkeit und Vertrauen breiten sich aus, wo vorher Angst und Trauer waren.

So plastisch habe ich selten erfahren, dass ich die Wahl habe, mein Lebensgefühl durch meine Sichtweise zu gestalten! Und so klar war mir nie, wie groß meine Angst noch war, Geld frei fließen zu lassen! Geld einfach als Tauschmittel für Lebensenergie in all ihren Formen anzusehen, das hereinfließt und herausfließt. Von der Hand in den Mund leben, nennen wir das ja auch, aber diese Ausdrucksweise hat den Beigeschmack von Armut und Bedrohung – wegen unserer Angst vor Mangel. Was brauchen wir aber mehr zum Leben, als das, was wir gerade verbrauchen wollen… Immer wieder aufs Neue? Das ist die Weisheit des ungesicherten Lebens.

Die Autorin, Petra Mecklenburg, lebt und arbeitet in Hamburg und Schneverdingen. Sie ist freie Übersetzerin, außerdem QHHT – Quantenheilhypnose-Begleiterin, Autorin und Heilpraktikerin für Psychotherapie.

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