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Artikel Ernährung

Chronisch rheumatische Erkrankungen und Ernährung – wie geht das zusammen?

Viele Menschen mit Rheuma fragen sich, was kann ich selbst tun, damit es mir wieder besser geht? Was soll ich essen bei Rheuma? Was sollte ich weglassen? Gibt es Lebensmittel, die Entzündungen hemmen? Hat die Krankheit überhaupt etwas mit meiner Lebensführung zu tun? Auch mich bewegen diese Fragen, seitdem ich vor 33 Jahren die Diagnose rheumatoide Arthritis erhielt.

Wie kann ich selbstbestimmt aktiv werden?

„Wie kann ich selbstbestimmt aktiv werden?“ ist eine sehr wichtige Frage, die nach meiner Diagnose dazu führte, dass ich mich auf die Suche machte, um diese Krankheit in den Griff zu bekommen. Ich wollte unbedingt die Lust am Leben zurück gewinnen.

Studien haben gezeigt, dass Menschen, die chronisch erkrankt sind, aber aktiv etwas für sich selbst tun besser mit der Situation und mit der Erkrankung zurechtkommen als Menschen, die sich passiv verhalten. Passives Verhalten lässt alles schlimmer werden.

Medikamente ja oder nein?

Ich selbst habe kaum Medikamente genommen, da es zum Zeitpunkt meiner Diagnose gerade einen Skandal mit Rheuma-Medikamenten gab. Es sind damals sogar Menschen an Medikamenten gegen Rheuma gestorben.

Das machte mir große Angst und hat mich dazu bewegt, einen anderen Weg zu suchen. Das bedeutet nicht, dass ich gegen Medikamente bin und davon abrate. Ich weiß, dass eine moderne medikamentöse Behandlung sehr hilfreich sein kann und oft auch wirklich notwendig ist.

Energetische Ernährungslehre der fernöstlichen Medizin

In den 80 Jahren gab es noch kein Internet und die westliche Medizin sah keinen Zusammenhang zwischen Lebensführung und Wohlbefinden. Die Naturkost-Bewegung war allerdings groß im Aufschwung und die Lebensmittel in den Bioläden waren noch weitestgehend unverarbeitet.

Bei meiner Suche stieß ich auf die Ernährungslehren der fernöstlichen Medizin (TCM und Makrobiotik), die mich von ihren Ansätzen überzeugte. Also begann ich, mich mit ihnen intensiv zu beschäftigen: Schritt für Schritt änderte ich meine Ernährungsgewohnheiten.

Es gab nun täglich ein warmes Frühstück. Ich erhöhte den Gemüseanteil und reduzierte Brotmahlzeiten. Ab sofort gab es bei mir nur noch naturbelassene Lebensmittel wie Reis, Hirse, Buchweizen, Quinoa, abwechselnd Fisch, Kichererbsen, Linsen, Adzukibohnen, ab und zu asiatische Proteine wie Tofu und Tempeh.

Und vor allem zu fast jeder Mahlzeit viel Gemüse – vor allem grünes Gemüse. In verschiedenen Kochkursen lernte ich diese Lebensmittel so anzurichten, dass sie richtig lecker waren.

Über die Zeit und mit viel Geduld ging es mir allmählich wieder besser. Soweit, dass ich überwiegend schmerzfrei wurde, mich wieder gut bewegen und wieder anfangen konnte zu arbeiten.

Was steckt hinter dem Ernährungskonzept der traditionellen fernöstlichen Medizin?

Was mich damals an der energetischen Ernährungslehre faszinierte, war die andere Art des Kochens und das unglaublich großes Wissen über die Wirkungsweise von Pflanzen, Lebensmitteln und Zubereitungen. Ich lernte, wie ich über das Essen meine Verdauungsorgane stärke, die Entgiftungsorgane Niere / Leber entlaste oder kräftige, sogar durch bestimmte Zubereitungen oder das Weglassen bestimmter Lebensmittel diese beim Entgiften unterstütze.

Die Ernährung wird in der traditionellen fernöstlichen Medizin als ein ganz wichtiger Pfeiler gesehen, um Krankheiten vorzubeugen und zu lindern. Und auch die Eigenverantwortlichkeit des Patienten ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Therapie.

Ausgewogenheit in dem, was wir essen und in der Lebensführung

In traditionellen Ernährungsformen finden wir natürlicherweise mehr Ausgewogenheit. Also: wenig Zucker, moderate Mengen an tierischem Eiweiß, viel Gemüse, pflanzliche Proteine und gute Öle.

Auch die Lebensführung spielt eine wichtige Rolle: genügend Schlaf, Bewegung an der frischen Luft, regelmäßige Mahlzeiten und genügend Ruhephasen. Denken wir dabei an die Organuhr, die darüber Auskunft gibt, wann welche Organe aktiv sind und wann sie sich in der Ruhephase befinden. Sie lehrt uns, dass es sowohl Zeiten gibt, in denen die Aufnahme von Essen günstig ist, als auch Zeiten, in denen wir lieber nichts mehr essen, weil es nicht mehr richtig verwertet werden kann. Oder sie gibt uns Auskunft darüber, wann es günstig ist, Sport zu machen oder es doch lieber ruhiger anzugehen.

Die allgemeinen Ernährungsempfehlungen lauten:

  • Zuckerhaltiges stark minimieren
  • überwiegend selbst gekochtes Essen zu uns nehmen
  • warme Getränke
  • weniger Brotmahlzeiten – mehr Gekochtes mit Gemüse – auch Suppen
  • gut kauen und langsam essen
  • dem Kochen und Essen Aufmerksamkeit geben

Dad sind ganz allgemeine Empfehlungen. Die verschiedenen Rheumaformen müssen allerdings genau betrachtet werden. Doch können wir mit Sicherheit sagen, dass folgende Lebensmittel bei einer rheumatischen Erkrankung ungünstig sind, lieber vermieden oder zumindest reduziert werden sollten:

  • Wurst, Fleisch (besonders Schweinefleisch), Geräuchertes
  • Zucker, Lebensmittel die Zucker enthalten wie z. B. Ketchup, Fertiggerichte

Stark einschränken sollte man: Eier, Brotmahlzeiten, Milchprodukte, Nachtschattengewächse – wie Tomaten, Kartoffeln, Paprika, Chilli, Tabak

Empfehlenswert sind:

  • Fetter Fisch wie Bio-Lachs, Sardelle, Hering, Makrele
  • Pflanzliche Proteine wie Tempeh, Tofu, Nüsse und Samen
  • Hülsenfrüchte variationsreich zubereitet: Kichererbsen mit Zwiebeln, Möhren, Pilzen und frischen Kräutersalz, Linsensuppen, -burger oder mit Kürbis im Ofen. Hirse, Reis, Gerste, Gerstenwasser, Hato Mugi als Tee
  • Gemüse (besonders chlorophyllreiches), Shiitakepilze, Sauerkraut, Sprossen, Kurkuma, Meeresalgen, Leinöl, Misosuppe
  • grünes Gemüse wie Grünkohl, Schwarzkohl, Chinakohl, Spitzkohl, Pak Choi, Portulak, Wirsing, grüne Salate
  • überwiegend gekochtes Essen. Auch am Abend ist ein leichtes gekochtes Abendessen – z.B. eine Suppe mit Gemüse, Fisch oder Bohnen – viel bekömmlicher als eine Brotmahlzeit.

Diagnose erhalten –  und was jetzt? Mein Rat an Betroffene:

Holen Sie sich soviel Hilfe wie möglich. Die Unterstützung kann durch ärztliche Seite geschehen, durch Ernährungsberatung, das Besuchen von Kochseminaren, durch positiven Austausch mit anderen Betroffenen. Um seelische Belastungen zu lindern, bietet sich u.a. Psychotherapie, Tanztherapie oder Meditation an. Viele der Therapien werden in Deutschland auch von der Krankenkasse übernommen.

Jede Krise enthält eine Chance

Eine Erkrankung ist eine Chance, das eigene Leben neu zu überdenken. Die chinesischen Schriftzeichen für das Wort Krise und Chance sind genau die gleichen. Das heißt, eine Krise ist immer auch eine Chance. Wir entwickeln andere Ideen für unser Leben, lernen Neues, hören wieder hin, was uns unser Körper sagt und entdecken vielleicht Gefühle und Bedürfnisse, die wir bisher nicht beachtet haben. Daraus kann viel Schönes erwachsen, was unser Leben bereichert.

Anke Mouni Meyer ist Köchin, Ernährungsberaterin und Autorin in Hamburg. Ihre vielseitige Ausbildung führte sie u.a. an das Makrobiotik Institut Schweden und an die Bio-Gourmet-Akademie in Köln. 2015 gründete sie die Firma ‚Eat & Move‘ und entwickelt seitdem eine alltagstaugliche Gourmetküche für Menschen mit Rheuma. Ihr Wissen aus mehr als 30 Jahren eigener Erfahrung mit Ernährung und Rheuma gibt sie seitdem in Blogs, Seminaren und Kochbüchern weiter.
Ihr Buch „Ganzheitliche Ernährung bei Rheuma, Arthrose und Gicht“ mit 120 himmlischen Rezepten gegen höllische Schmerzen, erschien Anfang 2019 im TRIAS Verlag.
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