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Artikel Ernährung

Ich koche mich glücklich – Kochen mit den 5 Elementen nach der Traditionell Chinesischen Medizin

Seit ich vor 22 Jahren meine ShenDo-Shiatsu Ausbildung begann, begleiten mich die 5 Elemente in meiner Arbeit und in meinem Alltag. Die Idee der Asiaten, alles was uns umgibt, in ein System – das Tao der Wandlung – einzuteilen und miteinander in Verbindung zu bringen, faszinierte mich von Anfang an.

Jahreszeiten, Altersstufen, Klimafaktoren, Organe, Körperstrukturen, Symptome, Emotionen, Ungleichgewichte, Vorlieben, Farben, Materialien, Gerüche, Geschmäcker, Nahrungsmittel… alles lässt sich einordnen und nachvollziehbar in Beziehung setzen. Auch mit meiner Berührung kann ich andere Menschen unterstützen und ausgleichen, kann Energie im Fluss halten oder harmonisieren.

Als Physiotherapeutin war diese ganzheitliche Anschauungsweise eine riesige Bereicherung für mich. Bald gab ich nur noch ShenDo-Shiatsu, verschiedene Massagen und Gesundheitssportkurse und begann, andere auszubilden. Es ist eine große Freude für mich, zu beobachten, wie sich die Menschen durch die intensive Auseinandersetzung mit allen Aspekten des Lebens verändern und entwickeln, wenn wir in den Kursen alle fünf Wandlungsphasen durchlaufen.

Eine große Baustelle blieb jedoch meine Ernährung.

Jahrelang wollte ich nicht daran „arbeiten“, da mir das Kochen nach den 5 Elementen und der Idee der TCM (Traditionell Chinesischen Medizin) zu aufwendig und eintönig erschien. Dreimal am Tag in der Küche stehen? Das Essen immer warm, „zerkocht“ und ohne Biss? Kein Süßkram mehr, nach dem ich süchtig war… Und das mit meinen kleinen Kindern, die dann wohlmöglich nur mäkeln? Nein, ich hatte wirklich keine Lust dazu.

Allerdings hatte ich oftmals Bauchschmerzen und Blähungen, Allergien und extrem schwankende Kilos auf der Waage. Na und? Natürlich wusste ich, dass ich da was machen kann… Vor 10 Jahren war ich dann endlich soweit.

2009 ging ich das leidliche Thema ‚Ernährung‘ an, in einem 5 Elemente – Kochkurs in Mecklenburg.-Vorpommern an der Ostseeküste. Es war das erste Mal nach der Geburt meiner Kinder: alleine weg, bekocht werden, ausschlafen, spazieren gehen. So der Plan – die Schokoriegel selbstverständlich im Gepäck, wer weiß, was es gibt und ob ich auch satt werde.

Vieles war neu: wie Kuzu oder Umeboshi. Manches einfach ungewohnt: morgens schon Suppe?! Oder es schmeckte mir nicht: wie Pickles zum Frühstück!

Aber es war immer etwas super Leckeres für jeden dabei, die drei warmen Mahlzeiten waren sehr abwechslungsreich, jeden Tag gab es neue Kochmethoden und massenhaft Rezepte. Mit jedem Tag wurde ich früher von alleine wach, ging morgens Laufen, in der Nachmittagspause Rad fahren, war abends länger fit und hatte nach dem Essen keine Bauchschmerzen mehr. Und mir war warm! Auch das war neu für mich. Mir ging es einfach blendend! Aha, das war (und ist) anscheinend genau meine Wohlfühlernährung:

Alle fünf Geschmäcker und Farben der Elemente in eine Mahlzeit bringen und Nahrungsmittel verwenden, die mir einfach nur guttun.

Da ich als Kind mit Tiefkühlkost, Dosengemüse und Kartoffelbrei aus der Tüte aufgewachsen war, kannte ich viele Getreidearten gar nicht. Auch an so einige Gemüse musste ich mich erst sehr langsam gewöhnen.

Die Schokolade fuhr übrigens unangetastet wieder mit nach Hause, denn ich fühlte mich die ganze Zeit satt und genährt. Und ich hatte tatsächlich bei drei ausgiebigen Mahlzeiten pro Tag – die ich Zuhause so gar nicht hatte – kein Gramm zugenommen. Nach fünf Tagen Urlaub brachte ich sonst immer 1-2 kg mehr auf die Waage. Neue Koch- und Schneidemethoden, Ideen für die Essensplanung, sprudelnde Energie, Begeisterung und viele neue Erkenntnisse auch über mich selbst, nahm ich dafür mit.

In der TCM wird die Mitte, unsere Verdauung, gestärkt, damit alle Nährstoffe und die Energie, die wir durch Mahlzeiten in den Körper holen, auch verwertet und verstoffwechselt werden können.

Kurz gesagt: alles wird von unserer Milzenergie zu einer Art Suppe verarbeitet, die verdampfen kann. Dieser „Dampf“ verbindet sich in der Lunge mit der Energie aus unserer Atmung und steht uns zur Verfügung, um aktiv, lebendig und gesund unseren Tag zu leben. Die Hitze, das Feuer, das wir brauchen, um diese Suppe im Kochtopf des Magens zu erwärmen, holen wir aus unseren Nieren, die unsere ererbte Energie gespeichert haben.

Ist meine Nahrung sehr kalt (immer nur Salat) oder schwer zu zersetzen (wie Milchprodukte), liegt sie lange im Magen. Da ich oftmals spät abends oder kaum verwertbare Nährstoffe (Fast Food oder Schokolade) gegessen hatte, war meine Milz überanstrengt und ermüdet in ihrem Bestreben, alles in Suppe zu verwandeln. Es verbrauchte auch mehr Nierenenergie und ich wurde in Folge träge, müde, verschleimte oder hatte Hautprobleme. Hingegen: Je wärmer und suppiger wir essen, desto leichter ist es für unsere Mitte, alles zu verdauen.

In der TCM geht es nicht um Vitamine, Spurenelemente oder Kalorien, sondern darum, was ein Lebensmittel mit mir macht.

Ist es erwärmend, abkühlend oder erhitzend? Ist es befeuchtend, trocknend oder verschleimend? Macht es mich munter oder beruhigt es eher? Wie lange bin ich satt nach einer Mahlzeit? Brauche ich mehr Getreide oder mehr Eiweiß und Fette? Es geht viel um das eigene Erspüren, nicht um Prinzipien.

Um die eigene Mitte zu stärken, kann man versuchen, sich so neutral wie möglich zu ernähren. Dazu braucht man keine ellenlangen Tabellen. Ein paar allgemeine Richtlinien können schon helfen, von denen die meisten altbekannt sind:

Iss regional, saisonal, frisch, in bestmöglicher Qualität (Bio) und regelmäßig (3-5 Stunden solltest du von einer Mahlzeit satt sein. Wenn nicht, fehlt etwas…meist Eiweiß oder gute Fette).

Morgens wie ein König, mittags wie ein Edelmann, abends wie ein Bettler und möglichst nicht mehr nach 18:00 Uhr.

Darin sind sich fast alle einig, die sich irgendwie mit „gesunder“ Ernährung beschäftigen. In der 5 Elemente-Küche kommt hinzu: iss wenn möglich 3x am Tag warm (vor allem das Frühstück sollte gekocht sein, süß oder herzhaft), bring alle 5 Farben in deine Mahlzeit: grün, rot, gelb, weiß, schwarz… und alle Geschmäcker: sauer, bitter, süß, scharf und salzig. Das geht am allerbesten mit viel Gemüse und abwechslungsreichen Kräutern und Gewürzen.

Auch hier gibt es die 80/20-Regel: wenn du dich zu 80% danach richtest, verträgt dein Körper 20% „Ausnahmen“. Nimm es also leicht, spiel damit, experimentiere, aber kümmere dich um dich selbst. Denn ohne geht es nicht. Sei es dir wert, dass es dir einfach nur gut geht!

Nach der ersten Euphorie fiel ich aber immer wieder zurück. Vor zwei Jahren ging es mir ziemlich dreckig. Ich wusste zwar schon ganz viel und hatte auch schon mal mehr, mal weniger davon in meine Mahlzeiten integriert, fiel jedoch immer wieder in alte Gewohnheiten und Süchte zurück. Zwischendurch gab ich ganz auf. Ich hatte zugenommen, war oft krank, hatte Gelenkprobleme und Unverträglichkeiten entwickelt und kam kaum mehr aus dem Heulen raus. Aber dann fing ich an, mich ernsthaft um mich selbst zu kümmern, und nicht nur um all die anderen um mich herum.

Endlich übernahm ich Verantwortung für mich.

Vor zwei Jahren startete ich eine Reset-Kur (Suppen- und Gemüsetage), um danach komplett auf Industriezucker, Weizen, Milch- und Fertigprodukte allgemein zu verzichten. Seitdem habe ich unheimlich viel gelernt, umgesetzt und erreicht. Ganz nebenbei ließ ich 17 kg Körpergewicht los und mein vorher immer sehr schwankendes Gewicht bleibt jetzt konstant. Ich bin stabil, viel gesünder, ausgeglichener und bewusster geworden. Es ist für mich jetzt vollkommen normal, dreimal am Tag warm zu essen. Ich liebe mittlerweile Hirse und esse so viel Gemüse wie noch nie in meinem Leben.

Auch Vorratshaltung, Planung, Küchenorganisation, Partyausrichtung … läuft! Ab und zu verträgt mein Körper Ausnahmen, ich schaffe es jedoch immer wieder zurück zu »meiner« Ernährung. Es ist so schön, zu spüren, was ich erreicht habe, was jetzt einfach zu mir gehört. Und das mit Leichtigkeit und Genuss! Weil ich es mir wert bin!

Essen hat auch viel mit Gewohnheiten, Ritualen, Flüchten, Kompensationen, Glaubenssätzen und Liebesbeweisen zu tun.

Da ist es nicht sooo leicht, mit Hauruck etwas zu verändern. Das geht nicht von heute auf morgen. Schritt für Schritt allerdings kannst du unheimlich viel erreichen! Das braucht Geduld, Selbstliebe, Wahrnehmung und gerne Unterstützung. Eine Initialzündung wäre auch nicht schlecht und einige Ideen, denen du folgen kannst. Bekommst du! Im Netz gibt es viele Gruppen, denen du dich anschließen kannst, es gibt Ernährungsberater, Kochkurse und und und. Trotzdem bleibt der erste Schritt: es zu tun!

Mittlerweile weiß ich genau, was ich vertrage, worauf ich lieber verzichte, damit es mir gut geht, so dass es gar kein Verzicht, sondern eine Bereicherung ist.

Die Autorin, Petra Agni Lieske, lebt in Berlin. Sie ist Physiotherapeutin, Gesundheitspraktikerin und ShenDo-Shiatsulehrerin. Seit 1997 gibt sie ShenDo-Shiatsu und Massagen, leitet Babymassage-, Koch- und Naturkosmetikkurse sowie Gesundheitssportgruppen und unterrichtet im SHENDO- Institut Berlin. Petra bietet zusammen mit Nirgun Loh, einem erfahrenen Ernährungsberater nach der TCM, mehrtägige 5-Elemente-Kochkurse an der Ostsee an.

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