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Artikel Bewusstsein

Selbstverwirklichung: wer bist du? und was machst du hier?

Die Selbstverwirklichungs-Szene ist bunt! Während die einen meinen, man könne nichts tun als abwarten, behaupten andere, man müsse sein Leben von Grund auf umkrempeln und konsequent einen ’spirituellen Weg‘ einschlagen. Zwischen diesen Positionen gibt es noch unzählig andere Meinungen. Was stimmt? – Vielleicht das, was sich für den Einzelnen stimmig anfühlt? Auch auf die Gefahr hin, sich selbst – z.B. aus Bequemlichkeit – immer wieder mal zu verlaufen? 

Das Thema Selbstverwirklichung / Erwachen / Erleuchtung wirft oft mehrschichtige Fragen auf, die ganz unterschiedlich beantwortet werden können. Hier eine Reihe von Antworten von Elias Fischer, einem spirituellen Begleiter aus Berlin.

Was ist Selbstverwirklichung?

Mit dem Erwachen erkennen wir unsere wahre Natur, das, was wir wirklich sind abseits von Gedanken, Gefühlen und dem Körper, mit denen wir uns identifizieren. Wenn wir diese Identifikation durchschauen und loslassen, kommen wir dem näher, was wir wirklich sind: liebevolles Bewusstsein. Damit sind wir auch verbunden mit unserem Herzen, das uns durch das Leben führt.

Selbstverwirklichung bedeutet für mich zum einen dieses innere Erkennen, worin ich auch entdecke, was meine wahren Wünsche sind und was ich in die Welt geben möchte. Zum anderen bedeutet es für mich den Ausdruck dieser Herzenswünsche und die Umsetzung der eigenen Lebensmission, die sich dann in der Welt manifestieren dürfen.

Das wahre Selbst verwirklicht sich also nicht nur im Innern, sondern auch durch das menschliche Leben in der materiellen Welt.

Wie sieht denn ein selbstverwirklichtes Leben aus?

Es gibt nichts mehr was einen kontrollieren kann oder zu Dingen zwingt, die man nicht auch wirklich will. Da ist zum einen keine Stimme mehr im Kopf, die etwas befehlen möchte – zum anderen gibt es keine Entwicklung im Außen, die Angst bereitet.

Der Unterschied ist also, dass man nicht mehr in der Geschichte der Gedanken und Gefühle drin steckt, sondern der Beobachter geworden ist. In einem weiteren Schritt kann man auch dies loslassen. Am Ende bleibt nur noch die Wahrnehmung und ein Gefühl von Lebendigkeit.

Kein Gedanke und kein Gefühl bringt einen aus der Ruhe. Es ist still und rein, und wenn dann etwas aus dem Inneren entstehen möchte, dann geschieht es. Es gibt kein „Ich“, das das Leben kontrollieren und gestalten will. Es geschieht.

Und, jeder Mensch kann einen Raum dafür öffnen, dass eine Bewusstseinserweiterung stattfinden kann, sollte die Sehnsucht ihn dahin führen. Es gibt auch Praktiken und Methoden, die diese Räume eröffnen und ein Erwachen ermöglichen.

Was sind die 3 größten Herausforderungen im Selbstverwirklichungs-Prozess?

Erstens: Von der Stimme im Kopf abzulassen.

Sie zu beobachten, ist kein großes Problem. Doch ihr nicht mehr Glauben zu schenken und ihren Kontrollversuchen nicht mehr nachzugehen, ist ziemlich schwer. Damit zerfällt das „illusionäre Ich“ und man fällt in ein Nichts, weil da plötzlich keine Form mehr ist, mit der ich mich identifizieren kann.

Dieses Nichts auszuhalten und durchzuhalten, ist schwer. Lässt man sich weiter fallen und bleibt bewusst, wird es mit der Zeit immer friedlicher und stiller. Das ist der Moment, in dem man das Ego eindeutig als Illusion erkennt, denn der Frieden und die Stille sind so viel wahrer.

Die Lösung ist hier also zum Beobachter zu werden, der alles im Innern mitbekommt. Die richtige Meditationspraxis hilft dabei. Das Ziel: Die Gedankenstimme wahrzunehmen, ohne reagieren zu müssen (Meditations-Anleitung).

Zweitens: Die eigene Geschichte loszulassen, wer du meinst zu sein.

Im unbewussten Zustand leben wir die Rollen weiter, die wir in der Vergangenheit angenommen haben – egal ob das „Opfer“ oder „Täter“ ist, ob wir meinen immer zu „verlieren“ oder zu „gewinnen“. Wir haben im Laufe der Zeit viele Strategien entwickelt, unser Selbstwertgefühl künstlich zu stärken. All das sein zu lassen und dies nicht mehr tun zu „müssen“, ist anfangs nicht leicht, weil es wie eine Droge ist.

Die Lösung ist auch hier zu lernen, nicht reagieren zu müssen, authentisch zu sein und seine Handlungen nach der Liebe auszurichten. Nur so kommt man seinem wahren Kern näher.

Drittens: Die Angst vor den Gefühlen überwinden.

Entdeckst du deine Herzenswünsche und willst sie in die Tat umsetzen, kommt schnell Angst vor dem Scheitern auf. Glaubst du der Angst, dass sie berechtigt ist und ordnest dich unter, hat sie dich im Griff und du wirst dich niemals in der Welt verwirklichen.

Die Lösung ist, mit der Angst in Kontakt zu gehen, so auch mit jedem anderen Gefühl. Es ist die Fähigkeit, alles fühlen zu können. Das braucht Mut und ein langsames Vortasten ist wichtig. So lernt man, dass man vor keinem Gefühl Angst haben muss. Lernt man, alle Gefühle zu durchfühlen, tritt die Freiheit ein, alles zu tun, was aus dem Herzen entstehen möchte.

Was sind die 3 größten Hilfestellungen auf dem Weg?

  1. Bewusstheit, das bedeutet du weißt in jedem Moment was du denkst und fühlst, wo du bist, was du tust und warum du es tust.
  2. Vom Kopf in den Körper und in das Gefühl. Hör auf so viel zu denken und frage dich lieber, was du fühlst. Bringe dein Bewusstsein in den Körper.
  3. Handle nach dem Gefühl von Stimmigkeit. Fühle in alles hinein. Was du isst, wen du triffst, was du unternimmst und welche Pläne du machen willst. Fühlt es sich wirklich stimmig an? Solange du abseits von Gedanken keine 100 % Ja fühlen kannst, lass es sein und kümmere dich erst um deine Selbsterkenntnis.

Gibt es für Männer und Frauen Unterschiede im Prozess?

An sich nicht, nur die Voraussetzungen sind andere.

Die meisten Männer können keine Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es darum geht, sich selbst zu finden. Die meisten Frauen haben damit überhaupt kein Problem. Sie sind sehr offen für Neues und die tieferen Dimensionen ihres Selbst.

Ganz einfach deshalb, weil Frauen von Natur aus eine bessere spirituelle Anbindung haben. Ihr Problem hingegen ist es, das, was sie im Innern finden, auch in die Welt zu tragen.

Das Umsetzen und Machen ist deshalb klar der Vorteil der Männer. Sogar, wenn Männer keine Ahnung haben, wer sie selbst sind und was ihre Passion ist, sind sie stets mit Tun beschäftigt. Ein Tun, mit dem allen geholfen ist, entsteht jedoch nur, wenn ein Mensch auch mit seinem Herzen verbunden ist.

Beides ist also wichtig, die Schätze im Innern zu entdecken und zu lernen, diese auch in die Welt zu tragen und ihnen Ausdruck zu verleihen.

Wie sieht eine selbstverwirklichte Gesellschaft aus? Was läuft anders?

Eine gute Frage, deren komplette Antwort wahrscheinlich nicht in ein Buch passen würde. Aber, wenn wir mal davon ausgehen, dass mehr aufgewachte Menschen in den Machtpositionen und den normalen Berufen sitzen, dann dürfte das gesellschaftliche Leben mehr von den folgenden Dingen geprägt sein:

  • Die Selbsterkenntnis würde Teil des Schulplans werden und es würde Fächer geben wie Liebe, Kommunikation, Miteinander, Mitgefühl, Gefühle, Menschsein, Wer bin ich?, Meditation
  • Die Menschen würden nicht unnötig unter Stress und Angst gesetzt werden (durch Medien oder auch das fehlende bedingungslose Grundeinkommen)
  • Der Mensch hätte die Freiheit, seine wahre Natur zu erforschen und seinen wahren Interessen nachzugehen, ohne Existenzangst
  • Die Menschen würden sich auf der Straße wieder in die Augen sehen und in der U-Bahn unterhalten
  • Es gäbe wesentlich weniger Konsum, Verschwendung und Ungerechtigkeit
  • Heilangebote wie Therapien würden besser in die Gesellschaft integriert werden und es wäre wesentlich leichter, sie in Anspruch zu nehmen

Der gegenwärtige Konsum und die Selbstablenkung funktioniert nur, weil der Mensch von sich selbst, seiner wahren Natur, getrennt ist. Dies verursacht einen Schmerz, er fühlt sich verloren und weiß nicht, wie er damit umgehen soll. Deshalb nimmt er das, was ihm die aktuelle Gesellschaft bietet: Konsum, Unterhaltung, Arbeit und Drogen.

Der zweite wichtige Punkt ist, dass der normale Bürger sich durch das System gezwungen fühlt, ständig beschäftigt zu sein. Das hält ihn in einem künstlich erschaffenen Hamsterrad gefangen und er hat erst mal keine Zeit, keine Energie und kein Know-How daraus auszusteigen.

Aber mit dem Aufwachen stellt man eben alles infrage, so auch das, was man gegenwärtig als normal, möglich und unmöglich hält, wie auch alle Regeln, Normen und Vorstellungen von Moral.

So können wir beobachten, dass der Mensch, der aufwacht, auch beginnt sein Leben zu verändern. Er lebt gesünder und mehr im Einklang mit sich und Mutter Erde. Er lässt sich nicht mehr stressen und lebt mehr nachdem, was sich in seinem Herzen richtig und stimmig anfühlt. Er erkennt seinen höheren Auftrag und findet trotz des gegenwärtigen Systems einen Weg, das in die Welt zu tragen, was ihn begeistert. Ich kenne keinen Fall, bei dem das dann nicht auch einen wundervollen Mehrwert für das große Ganze darstellt.

Was kannst du jetzt dafür tun?

Kümmere dich um dein Herz und deine Liebesfähigkeit. Sobald du erfüllt von Liebe bist, willst du sie automatisch teilen, und das verändert die Welt.

Der Autor, Elias Fischer, wohnt in Berlin und arbeitet als „Begleiter für Selbstverwirklichung“. Er unterstützt Menschen darin, sich selbst zu finden und ihr Potenzial zum Ausdruck zu bringen. Dabei greift er auf spirituelle Praktiken sowie Methoden aus der Körperarbeit zurück, die das eigene Bewusstwerden fördern. Zudem lehrt er Lebensgesetze, um das Leben verstehen und bewusst gestalten zu können.
Eigenens Buch: Selbstverwirklichung: Erkenne dich selbst und verwirkliche deinen Lebenssinn.
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