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Therapie

Schamanisches Heilen für unsere westliche Welt

Schamanismus ist der älteste uns bekannte Weg der Heilung

  • zur Erhaltung des Gleichgewichtes, der Harmonie für die Einzelnen und die Gesellschaft und für alles, was lebt auf diesem Planeten
  • ist ein Weg des Herzens
  • führt uns zurück zum Wesenskern unserer Seele
  • stimmt uns ein auf unsere innerste Wahrheit

Es ist kein Zufall, dass gerade in unserer unruhigen, krisengeschüttelten Zeit schamanisches Wissen verbreitet wird.

Dramatische Klimaveränderungen: die arktische Eisdecke schmilzt, das Fortpflanzungsverhalten von Tier- und Pflanzenarten ändert sich, Überschwemmungen als Ergebnisse ausbeuterischer menschlicher Lebensformen. Die Erde bäumt sich auf, wehrt sich gegen globale Zerstörung, reagiert mit Vulkanausbrüchen, Seuchen, Wüstenbildung… es ist höchste Zeit, ökologisch zu handeln und eigene Beiträge zu leisten.

Es ist Zeit für unsere persönliche und kollektive Heilung.

Auf dem schamanischen Weg können wir unser Leben mehr in Einklang mit der Natur, den geistigen Kräften bringen und unsere Intuition schärfen lernen. Schamanisches Heilen bedeutet für mich gelebte Spiritualität in Anbindung an uraltes Heilwissen, angepasst an unsere westlichen Lebensbedingungen.

Es gibt Zeugnisse schamanischer Traditionen in Europa, wie z.B. Funde in alten Kultgrabstätten, Höhlenmalereien, überliefertes Volksgut aus europäischen Märchen, Masken und Trommeln beim Fasching, Trommelfunde in nordeuropäischen Gräbern.

Durch die Hexenverfolgung in Europa, dem Monotheismus des Christentums, durch den Rationalismus der Aufklärung, durch Industrialisierung und Verstädterung, sowie die Bildung der Kleinfamilie wurden schamanische Naturgesellschaften weitgehend ausgelöscht.

Vor Jahrtausenden hielten Menschen ihre Rituale in Europa in Tempeln und an geweihten Orten ab. Heilige Tänze wurden zu Ehren der schöpferischen göttlichen Kraft getanzt. Priester/-innen pflegten ihre Kulte, lehrten und erteilten Rat.

Schaman(inn)en waren zugleich Priester*innen, Heiler*innen und Seher*innen und wurden auch oft in Rechtsstreitangelegenheiten befragt.

Durch die Wiederbelebung schamanischer Traditionen, inspiriert durch noch existierende schamanische Kulturen weltweit, ist die Erinnerungsarbeit an unser eigenes schamanisches Erbe erst möglich geworden. Indigene Schaman(inn)en aus Afrika, Asien, Amerika und Nordeuropa ermutigen uns als Lehrer*innen und Freund*innen, unsere eigenen Wurzeln wieder auszugraben. Seit ca. 30-40 Jahren findet dieser Prozess bei uns statt. Aufgrund kultureller Unterschiede weltweiter schamanischer Ethnien und aus Gründen des Respektes ist es nicht vertretbar, indigene schamanische Praktiken zu kopieren.

Schamanische Heilkunst muss von uns authentisch wiederbelebt werden.

Wir haben die Chance, uns unsere eigene spirituelle, schamanische Vergangenheit wieder anzueignen; neu schöpferisch über Moral und Ethik nachzudenken. Die Welt braucht ein stärkeres Verantwortungsgefühl der Menschen für sich selbst, füreinander und für unseren Planeten.

Die Frage stellt sich, wie kann schamanisches Heilen bei uns integriert werden in der täglichen Arbeit als Heilpraktikerin? Und wieweit ergänzt dieser Weg Schulmedizin, Psychotherapie und Naturheilverfahren? Diesen Fragen bin ich nachgegangen.

  • Im Schamanismus geht es nicht nur um die Heilung einer Person, die bei uns Rat sucht, sondern es geht um das ganze System dieser Patienten (Familie, Arbeitsplatz, Vorfahren, Beziehungen.) Die Begleitung Angehöriger zu einer Sitzung ist ausdrücklich erwünscht.
  • Die Familie und die Gemeinschaft wird als heilungsbedürftig angesehen, d.h. bei Patienten beziehe ich alle Aspekte ihrer Gemeinschaft mit ein und bestelle auch Angehörige bei Bedarf in die Praxis.
  • Die Behandlerin betet /bittet für Patient(inn)en und sich selbst.
  • Die Patienten-Anfrage prüfe ich durch meine Spirits (geistigen Verbündeten) und warte auf Resonanz von ihnen oder auf einen Traum.
  • Eine Heilsitzung wird vorbereitet, von der Behandlerin (sie bereitet den Rahmen für ein Heilritual vor) und die Patient(inn)en müssen evtl. bestimmte Dinge zuhause vorbereiten und mitgebringen.
  • Die Arbeit kann auch draußen in der Natur stattfinden unter Einbeziehung der vier Elemente, z.b. ein Feuer machen, ein Ritual für das Wasserelement (hier in Hamburg an der Elbe), Heilpflanzen finden…
  • Zentral ist, welche Intention der Patient / die Patientin mitbringt, ob sie energetisch ausgerichtet ist, einen offenen Geist und ein offenes Herz mitbringt?
  • Schamanisch Tätige vertreten die Überzeugung, dass Heilung möglich ist, manchmal schon nach einer Sitzung; Veränderungen können plötzlich geschehen.
  • Die Verantwortung für Heilung liegt in den Händen der Geistwesen, die ich um Hilfe bitte.
  • Als schamanisch Praktizierende schaffe ich einen heiligen Raum für meine Patient(inn)en, damit Heilkraft im Raum ist.
  • Im Behandlungsraum ist ein schamanischer Altar aufgebaut, um sichtbare und unsichtbare Kräfte zu verbinden.
  • Die Sitzung kann mehrere Stunden dauern.
  • Die Ursache für Heilung bleibt manchmal ein Geheimnis.

Immer mehr Therapeut(inn)en und Ärzte/Ärztinnen öffnen sich für Schamanismus, weshalb die Zusammenarbeit einfacher wird zwischen mir und ihnen; sie schicken mir ausdrücklich Klient(inn)en für bestimmte Heilrituale. Ich stehe mit Erlaubnis der Patient(inn)en im Austausch mit den Therapeut(inn)en oder Ärzt(inn)en. Diese beschreiben, dass ihre Klient(inn)en nach dem Heilritual noch mehr ihre Herzen für sich und ihre Prozesse geöffnet haben, dass beispielsweise die Psychotherapie noch tiefer wirken konnte.

Methoden wie Innere Reisen, systemisches Familienstellen oder Hypnosetherapie wurzeln im Schamanismus.

Welche Werkzeuge habe ich als schamanisch Praktizierende?

  • schamanisches Reisen mit Trommel- oder Rasselinduktion
  • schamanische Diagnostik
  • Rituale um spirituelle Räume zu öffnen
  • Gebete, um für den Patienten / die Patientin um Heilung zu bitten
  • Heilrituale z.B.mit Gesang, Trommel, Räuchern, Trancehaltungen
  • schamanisch-systemische Aufstellungsarbeit zur Klärung von Beziehungen, Arbeitssituation
  • Schamanisches Coaching zur Standortbestimmung „ wo stehe ich und wo will ich hin?“
  • Ahn(inn)enarbeit/Psychopompos (Seelengeleit) für Verstorbene und Kontakt zu Verstorbenen
  • Seelenfacettenrückholung als besonderes Heilritual zur Integration von Seelenanteilen bei traumatischen Erfahrungen
  • Medicine Walk (Medizinwanderung) in der Natur zur Selbstfindung

Wann ist schamanische Heilkunde indiziert?

  • bei akuten und chronischen Erkrankungen
  • bei Traumata
  • bei Burn Out
  • in Mobbingsituationen
  • in psychischen Krisensituationen
  • bei Ängsten, Süchten und Depressionen
  • zu rituellen Anlässen wie Hochzeit, Taufe, Geburt, Raumreinigung, Raumeinweihung, Wünschen, Loslassen von etwas oder jemand, unerfülltem Kinderwunsch, bei Sterbebegleitung

Beispiel aus der Praxis:
Patientin, 39 Jahre, mit Schilddrüsenproblemen und Übergewicht, Lebensängsten, zwei Fehlgeburten und langem Kinderwunsch; über schamanische Reisen kam eine tiefsitzende Mutterproblematik hoch, die Sprachlosigkeit und tiefe Ohnmachtsgefühle auslöste. Über Meditationen, Stimmübungen, Energiearbeit, einem Ablösungsritual von der Mutter, Kräuterheilkunde, Bachblüten, Chakrenarbeit, Affirmationen und innere Reisen konnte sie sich aus diesem engen Netz befreien; sie wurde sechs Wochen nach der letzten Sitzung bei mir schwanger und hat stark wieder zu ihrer Kraft gefunden.

Welches sind meine ethischen Werte bei der schamanischen Arbeit?

  • Liebe und Respekt für das Leben, für die Menschen, Mutter Erde und alles, was lebt
  • Authentizität
  • Empathie

Woran erkenne ich, ob meine schamanische Heilkunst wirkt?

  • ich bitte um ein Feedback (Fragebogen oder Gespräch)
  • ich biete ein Nachtreffen oder Telefonat zur Auswertung an
  • „wer heilt, hat Recht“ antwortete der Museumsdirektor des Völkerkundemuseums Hamburg, während einer Veranstaltung auf die Frage: Woher weiß ich, ob Schamanismus wirkt?
  • auf meiner website ist eine Rubrik „Kommentare“, wo mir ehemalige Patient(inn)en Feedbacks schicken zu meiner Arbeit.
Dieser Text erschien als Fachartikel in der Kongressdokumentation des Berufsverbandes Lachesis e.V., Berufsverband für Heilpraktikerinnen, 2/2017

Die Autorin, Leonie Gaul, ist examinierte Pädagogin, Heilpraktikerin, Reikimeisterin und schamanische Heilerin mit eigener Praxis in Hamburg. Seit 1986 gibt sie Vorträge, Seminare und Heilungsarbeit. Ihre Ausbildungen umfassen schamanische Trainings bei Lilian Pardun und Mohan Rai in Nepal, aber auch in Russland und der Mongolei.

Ausbildungen: ‚innere Erfahrungen‘ bei Dr. Klaus Lange, rituelle Körperhaltungen und ekstatische Trance bei Nana Nauwald, zertifizierte Seminarleiterin vom Felicitas Goodman Institut n.e.V.,  Training in „systemic ritual“ (schamanisch systemische Aufstellungsarbeit) bei Daan van Kampenhout

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