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Artikel Gesundheit

Hasya Yoga oder die Kunst, sich glücklich zu lachen

Lachen macht glücklich? Also wirklich, als wenn das so einfach wäre… Wir kennen es wohl eher umgekehrt, nämlich Lachen als Ausdruck von Glück, Freude oder Humor: wir lachen, weil es uns gut geht, etwas erfreulich oder lustig ist. Es ist jedoch bekannt, dass intensives Lachen nicht nur gesund ist, sondern dass es Stressoren im Handumdrehen entkräften und uns positive, angenehme Gefühle bescheren kann.

An einem Oktobermorgen im Jahre 2001 lernte ich durch einen Zufall Lachyoga kennen. Damals studierte ich an einer Hamburger Universität und der Professor hatte einen Lachyoga-Lehrer in sein Seminar eingeladen. Er sollte uns eine neue, wirkungsvolle Anti-Stress- und Motivationsmethode vorstellen, die neuerdings auch in Unternehmen genutzt werde. In dieser Gruppe von 80 Mit-Studierenden lernte ich also ganz praktisch die Kunst des bewussten Lachens kennen. Nach ein paar erklärenden Worten über das simulierte, absichtliche Lachen verbunden mit tiefer Yoga-Atmung ging es dann los: Innerhalb weniger Minuten wurde das zunächst gespielte Lachen ansteckend. Unglaublich, wie schnell das sonst ernste, intellektuelle Klima des Foyers der Hochschule in ein lautes quirliges Miteinander verwandelt wurde!

Ich spürte sofort, dass diese anfangs recht befremdliche Methode gut für mich sein könnte und das Potenzial hat, mehr Lebensfreude zu entwickeln. Jahre später machte ich selber die Ausbildung zum Lachyoga-Trainer und heute wende ich Lachyoga täglich für mich selbst und mit anderen an: In offenen Gruppen, Trainings/Workshops und Coachings und bei Events und Lachtrainings in Firmen.

Warum ausgerechnet Lachyoga?

In vielen Bereichen der Arbeitswelt und des Privatlebens regiert heutzutage der Dauerstress. Wir alle wissen, dass die Annehmlichkeiten des modernen Lebens wie Smartphones, Computer, Geschirrspülmaschinen u.a. nicht dazu geführt haben, dass wir mehr Zeit und Ruhe haben, sondern weniger.

In dieser Situation hat Lachen zwei sehr wohltuende schnelle Wirkungskomponenten: es wirkt fast sofort entstressend und es bringt einen gleichzeitig in die Gegenwart, ins Jetzt, in die Präsenz. Wenn ich aus vollem Herzen lache, kann ich nicht denken oder mir Sorgen machen. Von intensivem Lachen werden – was wissenschaftlich mittlerweile gut belegt ist – körperliche Prozesse ausgelöst, die das Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Aktivität und Ruhe wiederherstellen. Dies führt z.B. dazu, dass intensives und regelmäßiges Lachen das Immunsystem stabilisiert und stärkt. Vor diesem Hintergrund ist der treffende Satz aus dem Volksmund „Lachen ist die beste Medizin“ zu verstehen.

Das Problem scheint zu sein, dass die meisten Menschen nur dann lachen, wenn ein äußerer Anlass vorliegt, z.B. ein gelungener Witz, eine Comedy oder sonst etwas passiert, was sie lustig finden. Lachen ist also meistens mit Humor verknüpft. Nachteilig dabei ist, dass nicht jeder alles lustig findet. Außerdem bedeutet das Angewiesensein auf einen äußeren Anlass eine gewisse Abhängigkeit.

Genau hier setzt Lachyoga an: Durch spielerische Interaktion und die Kombination des absichtsvollen Lachens mit der Yoga-Atmung und Bewegung bringen wir unseren Körper bewusst zum Lachen, ohne dass ein äußerer Anlass vorliegt. Wir lachen, weil wir lachen wollen. In der Gruppe wirkt Lachen schnell ansteckend und mit ein bisschen Übung kann man Lachyoga auch sehr gut alleine mit sich selbst praktizieren.

Butter bei die Fische: Was genau ist denn nun Lachyoga?

Eine 1995 in Indien entwickelte Yoga-Form, die absichtliches Lachen mit pantomimischem Spielen, Yoga-Atmung (Pranayama) und Bewegungsübungen kombiniert. Der aus Mumbai, Indien, stammende Arzt Dr. Madan Kataria und seine Frau Madhuri, eine Yogalehrerin, entwickelten diesen ganz speziellen Yoga-Stil, dessen wichtigstes Element die Atmung ist. Das Zwerchfell wird aktiviert, der Fokus liegt automatisch auf dem Ausatmen und durch das automatisch tiefe Einatmen gelangt ziemlich viel Sauerstoff in den Körper und das Gehirn. Bestandteile des Lachyoga sind zudem Lachübungen, bei denen die Gruppe anhand von gemeinsamen pantomimischen Handlungen ins Lachen gerät. Dabei kann man sich gegenseitig lachend mit „Namasté“ begrüßen, lachend Probleme hinter sich werfen, durch die „Lachbrille“ linsen oder sich gegenseitig mit einem „Löwenlachen“ begegnen. Durch das spielerische Verhalten und den beim Lachyoga wichtigen Augenkontakt wirkt das Lachen schnell ansteckend und spontan. Es funktioniert, weil es dem Gehirn und dem Körper egal ist, ob wir absichtlich lachen oder auf einen äußeren Anlass mit Lachen reagieren.

Nach seiner Entstehung 1995 in Indien verbreitet sich Lachyoga rasch über den ganzen Globus und wird heute in mehr als 100 Ländern praktiziert. Basis des Lachyoga ist die sogenannte Lachclub-Bewegung, ein weltweites Netz von offenen Gruppen, in denen regelmäßig für ca. eine Stunde Lachyoga angeboten wird. Auch in Deutschland gibt es ca. 300 solcher Gruppen und einige auch in Hamburg.

Funktioniert Lachyoga bei jedem?

Es funktioniert tatsächlich bei allen, die dazu bereit sind, etwas Ungewöhnliches auszuprobieren. In seltenen Fällen funktioniert es für Teilnehmer gar nicht. Das liegt dann daran, dass es für einige Menschen halt nicht die passende Methode ist.

Viele Teilnehmer, die das Yoga-Lachen als hilfreich erleben, besuchen die Lachyoga-Gruppe eine Zeit lang und entdecken nach längerer Zeit vielleicht etwas anderes, was ihnen gut tut. Andere wiederum bleiben dabei und praktizieren es jahrelang.

Was wirklich zählt

Wir alle haben den Wunsch nach Glück in uns, nach einem Leben in Leichtigkeit und Freude. Die meisten sehnen sich nach unkomplizierter Verbundenheit mit anderen Menschen. Genau das können wir beim Lachyoga erleben, wenn wir es regelmäßig anwenden. Es ist bekannt, dass Lachen verbindet. Viele genießen es bei einem Lachtreff, Verbundenheit mit der Gruppe zu spüren, sogar ohne dass sie miteinander sprechen. Lachende, glückliche, entspannte Gesichter um sich herum zu sehen, und das Lachen zu hören, erleben die Teilnehmenden als entspannend und heilsam.

Die biochemischen Effekte des anhaltenden Lachens sind ebenfalls wohltuend, bewirken sie doch eine schnelle Produktion von Glücksstoffen wir Serotonin, Dopamin und Oxytocin. Gleichzeitig wirkt Lachyoga auch positiv auf der mentalen Ebene, da wir lernen, auch über Dinge zu lachen, die wir bisher als schwierig oder ärgerlich eingestuft haben. Das macht sogar Spaß und die Anregung, die Dinge einmal anders zu betrachten, nehmen die Teilnehmer mit in ihren Alltag.

Das bedingungslose und ausgedehnte Lachen, wie es im Lachyoga praktiziert wird, macht glücklich und wirkt langfristig persönlichkeitsfördernd. Dies ist die Erfahrung bei vielen Teilnehmern. Es führt zu mehr innerer Freiheit, Selbstvertrauen und Kreativität, um nur einige Aspekte zu nennen. Glück ist ein großes Wort und auch eins, das nicht immer klar definiert ist. Doch wissen wir alle, dass wir glücklich sein wollen und ebenso, dass Lachen zum Menschsein gehört.

Auch wenn durch Lachen die Schwierigkeiten des Lebens keineswegs verschwinden, kehrt doch mehr Leichtigkeit ein. Wir lassen uns nicht mehr so viel ärgern und können so die Freuden des Menschseins mehr genießen.

Die Grenzen und Möglichkeiten von Lachyoga

Auch wenn Lachen als beste Medizin gehandelt wird, werden beim Lachyoga keinerlei Heilungsversprechen gemacht. Menschen die körperlich oder psychisch erkrankt sind, sollten die Hilfe professioneller Therapeuten und Mediziner in Anspruch nehmen. Lachyoga kann jedoch durchaus therapeutische Prozesse unterstützen und dazu beitragen, dass die Selbstheilungskräfte in ihrer Aktivität gefördert und befreit werden. Auch manche Ärzte und Psychologen haben das erkannt, und schicken ihre Patienten und Klienten zu uns.

Für den normal gestressten Menschen ist Lachen hingegen ein erstes Mittel der Wahl, um Erkrankungen vorzubeugen. Schon Aristoteles wusste, dass Lachen eine Übung mit großem Wert für die Gesundheit ist. Es ist zudem hinlänglich bekannt, dass die körperliche Gesundheit und ein gut funktionierendes Immunsystem stark von unserer psychischen und mentalen Befindlichkeit abhängen. Die positive Psychologie und die Psychoneuro-Immunologie haben das breit diskutiert, vielfach belegt und bieten diverse Impulse und Lösungen an. Auch die vielen BodyMind-Konzepte, die zurzeit boomen, sind eine Folge dieser Überlegungen. Ein praktischer und sehr angenehmer BodyMind-Weg ist: Lachyoga.

Welchen Menschen hilft Lachyoga am meisten und was berichten sie?

Es gibt Teilnehmer, die bewusst nach Lachyoga gesucht haben. Sie nehmen an einer Gruppe, einem Workshop oder vielleicht sogar einer Lachyoga-Ausbildung teil. Diese Teilnehmer haben meistens konkrete Gründe: Sie wollen mehr lachen, weil sie ahnen, dass es ihnen gut tut. Manchmal haben sie auch körperliche Beschwerden und viel Stress. Sie sehnen sich nach Entlastung und Leichtigkeit. Andere kommen, weil sie sich alleine fühlen und Anschluss an eine Gruppe freundlicher Menschen suchen.

Wer Lachyoga länger betreibt, berichtet oft von ganz konkreten Verbesserungen im Leben. Das Lachen sitzt lockerer, sie fühlen sich leichter und kommen eher mit Menschen in einen positiven Kontakt, können entspannter mit ihren Beziehungen umgehen und vieles mehr.

Andere landen eher zufällig beim Lachyoga, z.B. wenn Lachyoga auf einer Geburtstagsfeier zelebriert wir, bei einem Firmenevent oder einem Team-Workshop. Manchmal kommen diese Teilnehmer nicht wieder, vielleicht ist es gerade nicht der passende Zeitpunkt für Lachyoga in ihrem Leben. Doch es gibt auch einige, die dann sehr begeistert sind, sich freuen, eine Möglichkeit entdeckt zu haben, die ihnen vielleicht mehr Lebensqualität beschert.

Was mich glücklich macht

Meine positiven Momente beim Lachyoga sind zahllos. Ich freue mich über jeden Menschen, der sein Lachen wiederfindet. Das ist immer etwas Besonderes für mich, dieses oft ungläubige Staunen zu erleben, wie befreiend das Yoga-Lachen ist.

Manche Menschen erleben darüber hinaus Lachyoga als Kraftquelle in großen Krisen, z.B. in einer körperlichen Grenzsituation wie einem Schlaganfall. Oder sie erleben, dass der Organismus nach Jahren einer chronischen Erkrankung plötzlich wieder besser funktioniert. Klar, das sind schon Highlights und keine Selbstverständlichkeit und auch nichts, womit man rechnen kann.

All die vielen Teilnehmenden in den Lachtreffs, Trainerausbildungen, Firmentrainings und anderen Events, die sich durch das grundlose Lachen berühren lassen und dadurch zur leichten und freudigen Seite in sich Kontakt finden, sind allerdings die eigentlichen Highlights für mich. Denn sie sind der Grund, warum ich das mache. Es erinnert mich immer auch an meinen Weg aus der Freudlosigkeit ins befreiende Lachen.

Zu guter Letzt

Lachyoga ist für mich gutes Mittel, sich selbst dabei zu unterstützen, das persönliche Potenzial zu leben und zu entfalten. Mit Lebensfreude ist das viel leichter und macht auch mehr Spaß. Lachyoga mag eine spezielle Methode sein, die vielleicht nicht jede und jeden anspricht. Doch wer sich darauf einlässt, wird feststellen: ungewöhnliche Zeiten verlangen ungewöhnliche Mittel, die ungewöhnlich wirksam sind.

Die Wirkungsweise und das Konzept des Lachyoga lässt sich mit dem Zitat von Dr. Madan Kataria, dem Gründer des Lachyoga, treffend zusammenfassen:

„Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind, wir sind glücklich, weil wir lachen“.

Der Autor, Alex Bannes, ist Dipl. Betriebswirt, Dipl. Persönlichkeitstrainer (PF), Heilpraktiker/Psychotherapie, NLP-Master-Practitioner, Lachyoga-Lehrer (LYIU) und Humorberater (HCDA).

Seit über zehn Jahren arbeitet Alex Bannes als Trainer für Potenzial-Entfaltung und Lachyoga-Lehrer in Hamburg. Er leitet mehrere offene Lachyoga-Gruppen, bietet Lachyoga in Unternehmen / Organisationen an und bildete bereits über 300 Lachtrainer aus.

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