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Therapie

Holotropes Atmen nach Stanislav Grof – ein Weg zu Heilung und Ganzwerdung

Was ist Holotropes Atmen? Wie ist es entstanden? Und was lässt sich damit erreichen? Klaus John entdeckte Stanislav Grof und seine Technik des Holotropen Atmens bereits Mitte der 1980ziger Jahre.

Als junger Mann begeisterten mich Woodstock und Möglichkeiten der Bewusstseinserweiterungen. Auf der Suche nach neuen freieren Lebensformen schien mir letzteres erfolgversprechend, um aus verhärteten bürgerlichen Strukturen auszubrechen. Als aber Freunde LSD nahmen, war ich entsetzt und besorgt, sie würden im Sog der damals oft thematisierten und berüchtigten Drogenkarriere zugrunde gehen. Alle meine Einwände wurden liebevoll abgewiesen, denn ich hätte ja keine Ahnung. Nun, diese Ahnung verschaffte ich mir und musste feststellen, dass ich wie einst Sokrates „wusste, dass ich nichts wusste.“

Es folgte eine Zeit der Beschäftigung mit Timothy Leary, Richard Alpert (Ram Dass) und Ralph Metzner. Ich las auch viele damals noch raren Bücher über Psychedelika und Schamanismus. Ebenfalls modern waren Raymond Moodys Bücher über Sterbeerfahrungen und Rückführungen à la Thorwald Detlefsen. Im Jahr 1978 stolperte ich dann über Stanislav Grofs Topographie des Unbewussten – LSD im Dienst der tiefenpsychologischen Forschung. Während Tim Leary noch warnte „Wer LSD nimmt, muss bereit sein, seine Welt in Trümmern zu sehen“, erklärte Grof die drogeninitiierten Zustände in nachvollziehbaren Zusammenhängen.

Mein eigener Weg änderte deutlich seinen Kurs: statt Maschinenbau-Studium, nun Heilpraktikerausbildung. Im Jahr 1985 eröffnete ich meine Heilpraxis in Buchhorst bei Lauenburg und gründete eine Familie. Niemals hätte ich gedacht, Grof persönlich zu begegnen, aber er kam gleich zweimal zu Vorträgen nach Hamburg. Schon aus Respekt vor Grofs Lebenswerk fühlte ich mich verpflichtet, sein spezielles ‚Atmen‘ auszuprobieren. Und wieder einmal war ich nicht im Geringsten darauf vorbereitet, was dann geschah. Es war, als hätte ich tausend Jahre auf genau diese Methode gewartet.

Eine lange Reise der Selbsterfahrung begann, die auch nach meiner dreijährigen Ausbildung beim Transpersonal Training in Kalifornien noch lange nicht zu Ende war. Ich selbst bekam von Grof schon 1988 eine Sondergenehmigung als „approved facilitator“, 1991 gab es dann das offizielle Zertifikat. Seitdem arbeite ich mit Gruppen oder Einzelpersonen.

Holotropes Atmen: diese Methode der Selbsterforschung und Selbstheilung basiert auf der Mobilisation des spontanen Heilpotentials der Psyche in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen – hervorgerufen durch intensives Atmen, begleitet von Musik und Körperarbeit, Mandala-Malen und Gruppengesprächen.

Stanislav Grofs Begegnung mit LSD geschah in den 1960er Jahren an der Karls-Universität in Prag. Unzufrieden mit den Resultaten der freud’schen Psychoanalyse, suchte Grof – selbst Psychiater – mithilfe der damals legalen Droge LSD die sogenannte ‚Abwehr‘ in der Analyse zu vermindern. Tatsächlich aber erlebten die Probanden Inhalte, die weit über die in der Psychoanalyse als relevant erachteten Themen hinausgingen. Die Teilnehmer erlebten neben einer erhöhten Sensorik und Erinnerungen biographischer Inhalte auch prägende Geburtserfahrungen und Zustände jenseits von Raum und Zeit. Grof nannte diese über die Person hinausgehenden Erfahrungen ‚transpersonal‘.

Mit der Katalogisierung von etwa 6.000 LSD-Erfahrungen entwarf Grof eine ‚Topografie des Unbewussten‘, eine Landkarte der Psyche, die generell für jede Art der Betrachtung psychischer Phänomene Gültigkeit besitzt. Es zeigte sich, dass Themen, die in anderen Kulturen bekannter sind, durchaus auch in unserer westlichen Zivilisation Bedeutung haben. Möglicherweise sind es Erfahrungen aus ‚früheren Leben‘, außerkörperliche Zustände, Begegnungen mit Krafttieren oder den Ahnen, die sich mit biografischen Elementen zu Systemen gedrängter Erfahrung (CoEx-Systeme von engl. Condensed Experience) verdichten und sich in Bereichen des Erlebens vorzugsweise um die biologische Geburt verdichten. Es zeigte sich auch, dass eine vorbehaltlose, unvoreingenommene Unterstützung von seitens des Therapeuten zur Freisetzung von psychosomatischen Spannungen und letztendlich zur Heilung beim Klienten führte.

Als sich die politischen Zustände beim Prager Frühling verschärften, gelang es Grof mithilfe eines Forschungsauftrages, in die USA überzusiedeln. Dort begründete er zusammen mit Abraham Maslow u.a. die Transpersonale Psychologie. Er forschte weiter mit LSD, bis zum politischen Verbot der Substanz. Heute wird diese Forschung übrigens wieder neu belebt und legalisiert.

Kurzum: wer sich für psychedelische Substanzen, auch ‚Pflanzen der Götter‘ genannt, interessiert, sollte sich mit Grof beschäftigen.

Grofs Beobachtungen zeigten, dass Menschen spontan mehr atmeten oder den Atem unterdrückten, wenn sie Dramatisches erlebten – selbst wenn therapeutisch genutzte Substanzen (wie LSD) schon abgebaut waren. Diese Beobachtung führte zum rechtlich geschützten ‚Holotropen Atmen‘ als eine Technik, die völlig ohne psychoaktive Substanzen auskommt. Vorteile sind die Legalität und das Wissen, dass die gemachten Erfahrungen nicht durch Drogen ausgelöst wurden.

Dem zugrunde liegt auch die Entdeckung oder Anerkennung des menschlichen Ur-Bedürfnisses nach Spiritualität, dem Eingebettetsein in ein größeres Ganzes. So wie Freud eine Unterdrückung der Sexualität als krankmachend einstuft, führt auch unterdrückte oder zwanghafte Spiritualität in eine Krankheit.

Dieses grundlegende menschliche Bedürfnis nach Ganzheit und Heilung nannte Grof „holotrop“ (griech. „holos“ = ganz, vollständig, „trepein“ = sich auf etwas zu bewegen).

Wie geht Holotropes Atmen gemeinsam mit anderen? Bei einem Workshop sollte zuerst eine gründliche Einführung in Theorie und Praxis stattfinden. Danach werden Arbeitspaare gebildet: die ‚Atmer und Beisitzer‘, die sich im weiteren Verlauf gegenseitig unterstützen. Nach einer angeleiteten Entspannung beginnen die „Atmer“, begleitet von anregender rhythmischer Musik, mit tiefem und schnellem Atem ihre Reise nach Innen.

In kurzer Zeit wird deutlich, was einen im wahrsten Sinne des Wortes bewegt. Oft kommt es dabei zu Erlebnissen von ‚Tod und Wiedergeburt‘, die starke transformative Kraft besitzen. Auch transpersonale Identifikationen mit jedem Element des Universums und der Zeit sind möglich. In diesem sicheren Rahmen können außergewöhnliche Bewusstseinszustände erfahren und im Vertrauen auf die Selbstregulation der Psyche unterstützt werden.

Es scheint eine innere Instanz im Unterbewusstseins zu geben, die genau weiß, was auf dem Weg zur Ganzheit und Heilwerdung auftauchen möchte. So wird auch niemand von den Erfahrungen überschwemmt – wie es mit Drogen geschehen kann -, sondern erfährt, was dran ist. Es sind aber nicht nur Stress und Spannung, die mithilfe entsprechender Körperarbeit gelöst werden, sondern es treten auch ruhige meditative Zustände auf, in denen bedeutsame Dinge passieren. Vielleicht erlebt auch jemand zum ersten Mal gehalten zu sein, denn Beisitzer und Facilitatoren können zu Stellvertretern für nicht da gewesene Beziehungspersonen werden. Vielleicht war jemand nach der Geburt im Brutkasten und hat zeitlebens unter dadurch verursachter Beziehungslosigkeit gelitten. Durch eine Regression in diese Zustände und korrektive Erfahrung von Zuwendung können so neue Prägungen entstehen. Für jene, die eine noch ungelöste Drogenthematik haben, kann Holotropes Atmen auch eine Möglichkeit zur Vervollständigung und Ablösung bieten.

Häufige Themen sind eine Freisetzung von Spiritualität und Lebensfreude, Heilung von Traumatisierungen, Deprivation und Missbrauch.

Nach dem Atmen malen die Teilnehmer ein Bild, ein Mandala. Diese Projektion der Erfahrung auf das Papier kann anschließend in der Rederunde verwendet werden. Dabei hat jeder die Möglichkeit, sich freizusprechen, sich loszusagen und Feedback zu erhalten. Es wird nicht analysiert oder interpretiert, sondern Raum geschafften für die Integration der erlebten Erfahrungen.

Manche Menschen nehmen tatsächlich nur einmal teil und haben damit den größten Teil ihrer psychosomatischen Verspannung abgebaut und Heilung erfahren. Für die meisten aber ist es ein längerer Weg und das Holotrope Atmen wird wiederholt als effektive Methode der Selbstregulation genutzt. Bei den Menschen, bei denen die spirituelle Entwicklung krisenhaft verläuft, kann das Holotrope Atmen helfen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Letztlich verbessern sich im Prozess deutlich Selbstakzeptanz, Kreativität und Lebensfreude.

Voraussetzung ist, eine grundlegende Bewusstheit und Einsichtsfähigkeit, damit die Inhalte unserer inneren Erfahrungen nicht ständig nach Außen auf die Umwelt projiziert werden. Denn das stürzt uns und die Welt ins Unheil. So kann die globale Krise auch als Resultat menschlicher Unbewusstheit erklären werden.

Wenn wir fortfahren, die alten Strategien zu nutzen, die die gegenwärtige Krise verursacht haben, und die in ihren Konsequenzen destruktiv und selbstzerstörerisch sind, könnte dies zu einer Vernichtung der modernen Zivilisation und eventuell der menschlichen Spezies führen. Wenn jedoch eine genügend große Anzahl Menschen einen Prozess innerer psychospiritueller Transformation erfahren und eine höhere Stufe von Bewusstheit erreicht, könnten wir in Zukunft eine Situation erreichen, in der wir den Namen verdienen, den wir so stolz unserer Spezies gegeben haben: Homo Sapiens (der weise Mensch).“ Stanislav Grof

Der Autor, Klaus John, ist seit 1985 Heilpraktiker in Buchhorst bei Lauenburg mit Schwerpunkt: Hypnose, Neuraltherapie, Elektroakupunktur, Ohrakupunktur, Phytotherapie, Homöopathie, Farbtherapie, Aura-Analyse, Regenerationskuren und Transpersonale Psychologie, „Certified Holotropic Breathwork Practitioner“ durch Christina & Stanislav Grof.
Klaus John leitet regelmäßig Seminare in Holotropem Atem in diversen Städten. 2009 erschien eine DVD im Nachtschattenverlag: Eine Reise nach Innen – Holotropes Atmen mit Klaus John, ein Film von Juri Schmidt.
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